Der Mobile World Congress in Barcelona ist gerade zu Ende gegangen. Eine ganze Flut von Neuvorstellungen, Ankündigungen und Absichtserklärungen hat die News-Portale des Internet überschwemmt. Zwischen den Zeilen der einzelnen Neuigkeiten lassen sich einige wichtige Tendenzen erkennen.
Das klassische Handy ist tot
Die Tage der kleinen Telefone mit winzigen Displays und einer klassischen Zehner-Tastatur scheinen gezählt zu sein. Smartphones mit großen Displays und Leistungsdaten die vor 10 Jahren gerade von Notebooks erreicht wurden erobern den Massenmarkt. Doch nicht die leistungsfähige und immer preiswertere Hardware ist es, die diesen Geräten zum Durchbruch verhilft. Das wirkliche Erfolgsgeheimnis steckt in der Software. Erst die richtige Software erlaubt es die Fähigkeiten der Hardware zu nutzen. Und das bezieht sich bei Weitem nicht mehr auf die ehemals primäre Funktion: das Telefonieren. So bieten denn auch nahezu alle Geräte ein reichhaltiges Angebot an Software, angefangen von komfortablem Kontaktmanagement, Kalender E-Mail, Webbrowser und vor allem ein umfangreiches und (mal mehr, mal weniger) komfortables Angebot an Multimedia-Funktionen wie Player für Musik und Video.
Internet überall
Das Internet ist endgültig auf dem Telefon angekommen. Kein modernes Telefon kommt mehr ohne E-Mail Funktionen und Webbrowser daher. Und mit Webbrowser meine ich nicht Browser für minimalistische WAP-Seiten, sondern Browser, die ihren Desktop-Kollegen in fast nichts mehr nachstehen und Webseiten in ihrem ganzen Umfang darstellen können, von ein paar Einschränkungen abgesehen. Interessanterweise sind die Karten im Browsermarkt auf Mobilgeräten neu gemischt worden. Während auf Desktop-Systemen Microsoft’s Internet Explorer noch immer unangefochtener Marktführer ist, und Firefox ihm auf Platz zwei nachjagt, hat sich im Mobilbereich WebKit, die aus Apple’s Safari (und KHTML) hervorgegangene Open-Source Browserengine von Firmen wie Apple, Google, RIM und Nokia zum König krönen lassen. Microsoft ist hier mit dem Internet Explorer (bisher) in der Abseitsposition, scheint aber mit Windows Phone 7 Series wieder Anschluss zu suchen.
Was bedeutet das alles für Entwickler von Webanwendungen? Zunächst einmal eine große Chance für mehr Interoperabilität. nicht mehr proprietäre Funktionen einzelner Browser sondern die Unterstützung offener Standards wie HTML, CSS und Javascript steht im Zentrum der Browser-Entwicklung. Das heißt, es wird einfacher werden, Seiten so zu gestalten, dass sie auf den unterschiedlichen Plattformen korrekt dargestellt werden. Gleichzeitig stehen Entwickler auch vor neuen Herausforderungen. Trotz ihrer immensen Fähigkeiten gibt es auf mobilen Geräten Einschränkungen. Webseiten, die erstellt wurden um den Bildschirm eines Notebooks nutzen und füllen zu können, werden auf einem Smartphone gezwungenermaßen zur Winzigkeit verdammt. Intelligente Zoom-Funktionen können diesen Nachteil eines relativ kleinen Displays etwas ausgleichen, aber es ist ein deutlicher Trend vorhanden speziell auf mobile Endgeräte optimierte Versionen einer Website anzubieten. Dies scheint zwar zunächst wie ein Rückfall in die Zeiten von WAP, macht aber in puncto Ergonomie und Benutzungskomfort durchaus Sinn. Hier sind Entwickler und Designer gefragt neue innovative Bedienungskonzepte und Darstellungsformen zu finden.
App-Mania
Das iPhone hat es vorgemacht, jetzt möchte jeder Hersteller und Netzbetreiber auch ein Stück vom Kuchen ab haben. Apps und vor allem App-Stores schießen wie Pilze aus dem Boden. Nicht alle werden ein Erfolg werden, aber dennoch ist ein deutlicher Trend hin zu nativer Third-Party Software auf Mobiltelefonen erkennbar. Ein klarer Vorteil dieser Anwendungen, Entschuldigung - Apps, ist ihre optimale Integration und Anpassung in Look & Feel an die jeweilige Plattform. Doch auch hier ist, obwohl etwas versteckt, das Internet eine extrem wichtige Komponente.
Viele Anwendungen bieten ein Frontend um bestehende Internet-Dienste oder nutzen das Netz für Kommunikation mit anderen Nutzern oder als stets verfügbaren geräteunabhängigen Datenspeicher (Hallo Cloud-Computing!). Auch unter diesem Gesichtspunkt werden sich Web-Anwendungen weiterentwickeln und öffnen, viele Dienste wie Facebook, Twitter, eBay, Google und viele andere zeigen bereits was möglich ist.
Insgesamt lässt sich eine gewisse Aufbruchsstimmung nicht verkennen. Das iPhone ist nicht mehr allein, der Wettbewerb gewinnt an Fahrt. Für Endnutzer und innovationsbereite Anbieter mobiler Computing-Lösungen eine durchaus positive Entwicklung.